Wieviel „Anders“ darf man sein um gerade noch gemocht zu werden?

Dazu eine kleine Geschichte:

Es gab einmal ein Büro in dem sich alle Mitarbeiter sehr gut verstanden haben. Die Kollegialität und das Miteinander waren dort wirklich sehr groß geschrieben.

Einer dieser Kollegen war jedoch etwas „Anders“. Seine Intelligenz und seine Begeisterung für die seine zugeteilten Aufgaben waren buchstäblich überirdisch. Seine Kleidung und sein Körpergeruch dagegen waren unterirdisch.

Mit Antritt seiner neuen Arbeitsstelle gab er sich dennoch alle Mühe ein integrierter Teil des bestehenden Kollegenkreises zu werden.

Im Grunde war er eigentlich ein eher schüchterner Typ. Seine Fragen, ob jemand mit ihm Mittagessen gehen würde oder evtl. mit ihm ein Feierabend-Bierchen trinken gehen würde, wurden stets verneint. Er war eben einfach viel zu „anders“ als sie alle!

Nach einem guten Jahr hatte er endlich aufgehört diese lästigen Fragen an seine Kollegen zu stellen..

Einzig seine außerordentlich perfekte und dazu noch sehr schnelle Arbeitsweise war ein gefundenes Fressen für seine Kollegen. Denn wann immer etwas schnell und zuverlässig erledigt werden musste konnte man sicher sein er würde sich dieser Aufgabe zuverlässig annehmen. Darüber hinaus war er allezeit bereit länger zu arbeiten, Urlaubsvertretungen, Krankheitsvertretungen uvm. zu übernehmen.

Nach guten zwei Jahren ist sein Büro auch zu seinem Zuhause geworden. Tag und Nacht bearbeitete er seine Aufgaben und zusätzlich noch weitere Aufgaben für alle seine Kollegen.

Es schien ihm richtig Spaß zu machen. Schließlich schienen seine Kollegen ihn dafür zu lieben, dass er so hilfsbereit und zuverlässig war.

Na gut.. er hatte eben ein paar Ticks. Er aß nur Käse, machte täglich um die gleiche Zeit sein workout von 10 km mit dem Fahrrad und „ok“, seine Kleidung und sein Körpergeruch ließen stark zu wünschen übrig. Aber davon mal abgesehen, hatte er es tatsächlich nach „nur“ zwei Jahren geschafft in den Kollegenkreis integriert worden zu sein.

Jahr um Jahr verging und seine treue Anwesenheit, morgens, mittags, abends und nachts hatte sich zu einer nichtmehr wegzudenkenden Gewohnheit etabliert. Bis….

Bis er eines Morgens tot auf der Herrentoilette aufgefunden wurde.

Was war passiert..????????

Die Todesursache war Bulimie und Einsamkeit..

Keinem seiner vielen Kollegen war aufgefallen, dass er immer dünner wurde, dass seine Finger an der rechten Hand vollkommen verätzt waren aufgrund seiner häufig erbrochenen Magensäure.

Natürlich saß der Schock über diese Feststellungen bei allen sehr tief..und natürlich fragte man sich wer von den Kollegen ihn denn etwas besser gekannt hatte.

Hatte er Familie?

Hatte er Freunde?

Wo wohnte er überhaupt?

Was machte er denn in seiner Freizeit?

Fragen über Fragen..

….. deren Antworten einige Recherchen und Zeit in Anspruch genommen hatten.

Tja…

Wieviel „anders“ darf man denn sein um nicht einsam sterben zu müssen?

Dieses Ereignis hat sich tatsächlich so zugetragen.

Seit dem beschäftigt mich diese Frage mit dem „Anderssein“ wirklich sehr.

Was ich mir bei dieser wahren Begebenheit selbst eingestehen musste und muss, dass ich, zu meiner eigenen „Schande“, nicht zu 100% ausschließen kann, dass ich mich ebenfalls wie einer dieser Kollegen verhalten hätte.

Vielleicht macht uns das „Anderssein“ Angst?

Dabei sollte doch genau das „Anderssein“ uns ermutigen ebenfalls mal aus der Masse heraus zutreten und mal „andres sein“ zu dürfen als alle anderen?!

Im *Sign of Love* by *Helena Ann*

Deine etwas „andere“ Sigrid Hornstein <3

www.helena-ann.de


Comments (2)

  1. Sandra Jesernik
    2 Wochen ago

    Bin sprachlos und glücklich, wieder so tolle Botschaften von dir zu lesen..❤️ Und es fühlt sich sowas von richtig an..
    Alles Liebe von ganzem Herzen deine Sandra!

    • admin
      2 Wochen ago

      Viiielen lieben Dank Liebes :-***

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